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Storytelling: Ein Leitfaden für Einsteiger:innen mit Jan Vincent Kleine

Jan Vincent Kleine6 Minuten Lesezeit09 Apr. 2026 Was ich gelernt habe als
Nikon magazine - Jan Vincent Kleine

Der Filmemacher Jan Vincent Kleine erklärt, warum die Geschichte beim Dokumentarfilm das A und O ist – und verrät seine Methoden zur Entstehung eines Meisterwerks

„Die Geschichte steht immer an erster Stelle. Ohne eine Geschichte habt ihr nur eine Aneinanderreihung von Höhepunkten. Man kann sie sich ein paar Sekunden lang anschauen, aber sie haben keine Substanz“, sagt der Abenteuerfotograf und Filmemacher Jan Vincent Kleine, der kürzlich seinen zweiten Dokumentarfilm in einer mehrjährigen Serie, Norway’s Wilderness Up Close, fertiggestellt hat. Die Filme, die im Herbst 2027 enden sollen und eine Strecke von schätzungsweise 6.500 km abdecken, begleiten Jan Vincent Kleine und seinen treuen Husky Trojka. Zeitweise ist auch seine Freundin June van Greevenbroek dabei, während sie die entlegensten Gegenden des Landes ausschließlich aus eigener Kraft durchqueren. „Das Erzählen von Geschichten ist ein zentraler Bestandteil des menschlichen Daseins“, sagt Jan Vincent Kleine. „Ob durch alte Höhlenmalereien, Gespräche am Lagerfeuer oder, wie in diesem Fall, Dokumentarfilme: das Erzählen von Geschichten spielt eine wesentliche Rolle in unseren Beziehungen zueinander.“

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Norway’s Wilderness Up Close – Jan Vincent Kleine unterwegs mit June und Trojka

Auf „Play“ drücken

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Storyboard vs. „Fly on the Wall“

„Herkömmliche Dokumentarfilme zielen darauf ab, das Leben oder Ereignisse so einzufangen, wie sie sich tatsächlich zutragen – der klassische Fly-on-the-Wall-Ansatz. Ein Dokumentarfilm mit Skript verfolgt einen stärker gelenkten Handlungsstrang, um eine klare Erzählstruktur zu gewährleisten“, erklärt Jan Vincent Kleine. „Letztendlich sollte die Wahl des Ansatzes von eurem Thema abhängen. Ich erstelle im Voraus kein Storyboard. Meiner Meinung nach läuft man Gefahr, nicht offen für das zu sein, was tatsächlich passiert, wenn man einen Dokumentarfilm im Voraus skriptet. Es ist aber meine Aufgabe, aufmerksam und für alles bereit zu sein. Glücklicherweise ist die Nikon Z6III schnell, handlich und intuitiv – und da ich sie an meine Bedürfnisse angepasst habe, kann ich praktisch ohne Verzögerung auf all das reagieren, was sich vor mir abspielt. Wenn der Autofokus richtig eingestellt und die ISO-Automatik aktiviert ist, kann ich innerhalb von gefühlt einer Sekunde nach dem Einschalten der Kamera auf „Aufnahme“ drücken. Außerdem ermöglicht mir die Bildstabilisierung, aus der Hand zu filmen, sodass ich in höchster Qualität aufnehmen kann, sobald ich die Kamera in die Hand nehme – ein riesiger Vorteil bei der spontanen Dokumentarfilmarbeit.“

„Beim Fly-on-the-Wall-Ansatz ist es nicht meine Aufgabe, das Geschehen zu lenken. Ich kann aber gewisse Faktoren beeinflussen wie die Tageszeit, zu der bestimmte Dinge geschehen, und den Weg, den ich einschlage. Da es in meinem Dokumentarfilm ausschließlich um die Reise ging, war die Suche nach Drehorten ein wesentlicher Bestandteil der Planung. Eine geeignete Route durch das Gelände zu finden, zu wissen, welche Flüsse überquert werden können, wo sich Gletscherspalten befinden und wo Nachschubmöglichkeiten bestehen – all das war von entscheidender Bedeutung und erforderte monatelange Planung. Die Kamera war dann einfach nur mit von der Partie.“

Jan Vincent Kleine und sein treuer Hund Trojka machen während der Dreharbeiten zu seinem zweiten Dokumentarfilm „Norway’s Wilderness Up“ eine Pause. Nikon Z 7 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 46 mm, 1/250 s, f/8, ISO 64 © Jan Vincent Kleine

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Erstellt eine Liste mit den wichtigsten Momenten

„Anstelle von Storyboards oder Drehbüchern arbeite ich mit Bausteinen, die universell einsetzbar sind – ganz gleich, was in der Haupthandlung passiert“, erklärt Jan Vincent Kleine. „Ich weiß, dass ich genügend Material brauche, um eine Einleitung zu einem Ort, einer Person oder einem Thema zu geben. Dazu kommen wesentliche Elemente, um die Betrachter:innen durch diese Reise zu führen und sicherzustellen, dass sie sich weder verirren noch überfordert fühlen. Wenn also ein wichtiger Moment eintritt, achte ich darauf, genügend Material rund um diesen Moment zu filmen. Sonst hat man am Ende nur eine Menge schöner oder interessanter Einzelclips, die in keiner Weise miteinander in Verbindung stehen. Ich lege auch Wert auf eine gewisse Szenenvielfalt: Totale, Halbtotale, Nahaufnahme usw. – nicht nur, um das Endergebnis visuell abwechslungsreich und interessant zu gestalten, sondern auch, um bestimmte Stimmungen zu vermitteln.“

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In diesem zweiten Teil von Jan Vincent Kleines Dokumentarfilm begleitet seine Freundin June van Greevenbroek ihn und Trojka auf ihrer Reise. Links/unten: Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 70 mm, 1/1250 s, f/2.8, ISO 64 © Jan Vincent Kleine Rechts/oben: 26 mm, 1/6400 s, f/3.5, ISO 250 © June van Greevenbroek
Checkliste für Sprecher:innen

„Es gibt bestimmte Aspekte, die man planen kann“, sagt Jan Vincent Kleine. „Zum Beispiel Interviews mit Sprecher:innen sowie bewegte Porträts, um bestimmte Momente des Interviews zu unterstreichen. Oder nach dem Interview die Umgebung der Person, um die Erzählung zu untermauern. Es ist eine Frage des Respekts, sich im Vorfeld gründlich zu informieren, die Geschichte und den Kontext zu kennen und zu wissen, was zu dieser Situation geführt hat. Dann geht es darum, eine persönliche Verbindung aufzubauen, damit sich eure Gesprächspartner:innen wohlfühlen und sich öffnen können. Ab diesem Zeitpunkt empfehle ich euch, offen, aufmerksam sowie lern- und beobachtungsbereit zu sein. Versucht nicht, das sich vor euren Augen abspielende Geschehen in das hineinzupressen, was ihr zu Hause geplant habt.“

Jan Vincent Kleine überquert während der Dreharbeiten zu seinem neuesten Dokumentarfilm einen Wasserfall. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 31,5 mm, 1/200 s, f/3.2, ISO 100 © Jan Vincent Kleine.

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Aufbau der Geschichte

„Die einfachste Art, einen Dokumentarfilm anzugehen, besteht darin, sich für die Hauptgeschichte auf eine:n Sprecher:in zu stützen und sie mit Handlungssequenzen und entscheidenden Beobachtungsmomenten zu unterbrechen“, rät Jan Vincent Kleine. „Fügt gegebenenfalls etwas B-Roll-Archivmaterial und vielleicht noch einen Kommentar aus dem Off hinzu, um Handlungslücken zu schließen. Und schon habt ihr das typische Muster der meisten Dokumentarfilme. Manche Filmemacher:innen treiben die Geschichte nicht voran, indem sie auf Interviews zurückgreifen, sondern allein durch direktes Geschehen. Andere ziehen es vor, überwiegend leises Filmmaterial zu kommentieren. Vieles hängt letztlich vom Bauchgefühl ab. Passiert gerade etwas von Bedeutung? Zeichnet sich eine interessante Situation ab? Entwickelt sich eine Figur? Gibt es Gefühle? Starke Emotionen sind es fast immer wert, auf respektvolle Weise festgehalten zu werden.“

Jan Vincent Kleine rät angehenden Dokumentarfilmer:innen, bei der Auswahl dessen, was sie filmen, selektiv zu sein. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 24 mm, 1/125 s, f/5, ISO 80 © Jan Vincent Kleine

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Dreharbeiten vor Ort

„Seid beim Filmen wählerisch, was ihr aufnehmt – aber nicht so sehr, dass ihr am Ende nicht genug Filmmaterial habt“, sagt Jan Vincent Kleine. „Doch es spart eine Menge Arbeit, wenn man nur 20 Stunden Filmmaterial durchsehen muss statt 200 Stunden. Während sich manche Momente vor Ort ganz natürlich dazu eignen, zu Sequenzen oder kurzen Vignetten zusammengestellt zu werden, muss das nicht bei jedem Clip der Fall sein. Es ist völlig in Ordnung, wenn manche Bilder vorerst für sich allein stehen. Bei der Bearbeitung bleiben sie entweder für sich oder verbinden sich wunderbar mit anderen Elementen. Aus diesem Grund kommt der Schnittphase bei Dokumentarfilmen eine enorme Bedeutung zu. Bei Werbespots, Kurz- oder Spielfilmen ist das Projekt schon fast „fertig“ – noch bevor die Dreharbeiten überhaupt beginnen. Bei Dokumentarfilmen hingegen nimmt der Film meist erst während des Schnitts Gestalt an. Ich rate euch daher, in Szenen zu denken, wenn sich ein wichtiger Moment ergibt. Aber wenn ihr nicht wisst, wie ihr das mit etwas Anderem in Verbindung bringen sollt, macht euch keine Sorgen – das ist ein Problem, das es später zu lösen gilt.“

Jan Vincent Kleine erklärt, dass Szenen wie diese dazu beitragen, die Geschichte ohne Worte zu erzählen. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 31 mm, 1/60 s, f/4, ISO 200 © Jan Vincent Kleine

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Führt die Geschichte in der Nachbearbeitung zusammen

„Bei Dokumentarfilmen ohne Skript gibt es kaum einen festen Plan“, sagt Jan Vincent Kleine. „Vielmehr geht es darum, Szenen und Sequenzen so miteinander zu verknüpfen, dass sie eine fesselnde Geschichte erzählen. Dazu stelle ich mir beispielsweise folgende Fragen: Wie stelle ich das Thema, den Ort und die Menschen vor? Halte ich mich an die chronologische Reihenfolge oder springe ich in der Zeit hin und her? Werde ich mehrere Geschichten parallel erzählen? Wo werden sich die Geschichten kreuzen? Wie schaffe ich einen Handlungsbogen? Wie halte ich die Zuschauer:innen bei der Stange?“

Während Fotos eine ganze Geschichte in nur einem Bild erzählen können, betont Jan Vincent Kleine, dass diese sich bei Videos erst beim Schnitt herauskristallisiert. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 27 mm, 1/640 s, f/2.8, ISO 64 © June van Greevenbroek

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Jan Vincent Kleines sieben Top-Tipps für das Storytelling

  1. Wähle eine Geschichte, nicht ein Thema

Ein Thema ist keine Geschichte. Fast jede Geschichte folgt derselben Grundstruktur: Anfang, Mitte und Ende oder Einleitung, Weg zum Höhepunkt und Auflösung. Wenn ihr so darüber nachdenkt, wird aus eurem Thema eine Geschichte.

  1. Erklärt, was ihr für selbstverständlich haltet

Wenn ihr jemanden filmt, denkt ihr automatisch wie das Publikum und wisst, was es braucht, um der Geschichte folgen zu können. Aber bei einem Projekt wie Norway’s Wilderness Up Close (Norwegens Wildnis hautnah), bei dem ich selbst das Motiv bin, vergisst man leicht, dass die Betrachter:innen meine Perspektive nicht teilen. Ihr müsst dafür sorgen, dass sie jederzeit verstehen, was gerade vor sich geht.

  1. Filme aus verschiedenen Blickwinkeln

Die Fotografie versucht, eine Geschichte in einem einzigen Bild zu erzählen. Bei der Videografie nimmt sie erst beim Schnitt Gestalt an – aus einzelnen Aufnahmen entstehen Szenen, und aus Szenen entstehen Sequenzen. Verschiedene Kamerawinkel helfen dabei, diese miteinander zu verbinden – achtet also darauf, mehrere Aufnahmen zu machen. Eine gute Faustregel ist, für jede Szene drei Kameraeinstellungen aufzunehmen: totale, Halbtotale und Nahaufnahme. So könnt ihr Details, Zwischenschnitte usw. festhalten.

  1. Guter Klang ist das A und O

Ihr könnt schlechte Aufnahmen hinter dem Ton verstecken, aber nicht umgekehrt. Achtet also darauf, dass wichtige Gespräche in guter Tonqualität aufgezeichnet werden. Ein einfaches Mikrofon wie das Røde VideoMic NTG ist ideal.

  1. Verbessert eure Schnittfähigkeiten

Informiert euch darüber, welche Arten von Schnitten es gibt. Ein einfacher J-Cut kann zum Beispiel sehr dabei helfen, Spannung aufzubauen oder Szenen nahtloser miteinander zu verbinden.

  1. Baut einen Rahmen auf

Wenn sich eure Geschichte um ein Interview aufbaut, stelle dieses als Erstes zusammen. Es bildet nämlich einen Rahmen, in den ihr Handlung, Archivmaterial, B-Roll usw. einfügen könnt.

  1. Nutzt Stille als wirkungsvolles Stilmittel

Wir sind daran gewöhnt, ständig Geräusche zu hören – sowohl im echten Leben als auch im Film – sei es in Form von Filmmusik, Dialogen, Erzählstimmen oder Handlungsgeräuschen. Wenn also alles leise wird, hat die Stille eine tiefere Wirkung, als wenn alles bis zum Maximum aufgedreht ist.

Jans empfohlene Kameraeinstellungen für Einsteiger:innen

  • Bildrate: 24 oder 25 Bilder pro Sekunde
  • Auflösung: 4K
  • Belichtungszeit: 1/50 s bei 25 Bildern pro Sekunde (180-Grad-Regel)
  • ISO: Automatisch
  • Weißabgleich: Automatisch/Manuell und für dieselben Szenen fest einstellen
  • Autofokus: AF-C, das Fadenkreuz für die eingeschaltete AF-Messfeldvorwahl und Motiverkennung
  • Bildprofil: Flaches Profil in 10-Bit
  • Stabilisierung: Standard/Sport. „Bei hektischen Kamerabewegungen würde ich sie ausschalten.“
  • Videocodec (Aufnahmeformat): H.265

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