Wie wird man „Wildlife Photographer of the Year“?

Die Anmeldung für den Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year 2026“ ist jetzt eröffnet. Wir haben bei einigen früheren Gewinner:innen nachgefragt, worauf es bei einem preiswürdigen Bild wirklich ankommt
Seit bereits 62 Jahren zeigt der Wildlife Photographer of the Year Award die weltweit außergewöhnlichsten Naturfotos. Mehr als 60.000 Einsendungen kämpfen um einen Platz an den Wänden des renommierten Natural History Museum. Die Ausstellung 2025 ist jetzt eröffnet und geht auf internationale Tour. Wir haben mit zwei Nikon-Fotografen gesprochen, deren Bilder ganz oben gelandet sind. Sie berichten, was es braucht, um zu gewinnen.

Shane Gross konnte nach wochenlanger geduldiger Beobachtung einen seltenen Moment eingefangen: Drei Tüpfelmuränen, die in der Gezeitenzone leben und sowohl an Land als auch im Wasser jagen können, suchen bei Ebbe nach Aas. Z6 mit NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 24mm, 1/250 s, f/5.6, ISO 2500, ©Shane Gross, Wildlife Photographer of the Year
Regel 1: Führt den Trend an, statt ihm zu folgen
„Worauf es ankommt, um den WPOTY zu gewinnen? Es ist harte Arbeit“, sagt der Unterwasserfotograf Shane Gross, der viermal ausgezeichnet wurde: 2018 mit zwei hochgelobten Unterwasserbildern, 2024 mit dem Gesamtsieg für The Swarm of Life (Schule des Lebens), das auch den Preis „Wetlands: The Bigger Picture“ (Feuchtgebiete: Das Gesamtbild) gewann, und 2025 mit dem Preis „Animals in their Environment“ (Tiere in ihrem Habitat) für Like an Eel out of Water (Wie ein Aal an Land). „Ich bin im Laufe der Jahre besser geworden. Aber ich glaube auch, dass sich mein Stil und der des Wettbewerbs unbeabsichtigt getroffen haben“, fügt er hinzu. „Ich habe mich schon immer auf übersehene Arten konzentriert. In den letzten Jahren hat sich der Wettbewerb auch in diese Richtung bewegt, und das ist meiner Meinung nach einer der Gründe, warum ich erfolgreicher geworden bin. Aber für einen Preis muss viel zusammenkommen. Das Foto ist natürlich wichtig, aber es kommt auch drauf an, was sonst noch in diesem Jahr eingereicht wurde. Trends sind also wirklich wichtig.“
Wim van der Heever hat nach sieben Finalteilnahmen den Preis in der Kategorie „Urban Wildlife“ (Wildtiere im urbanen Raum) und den Gesamtsieg 2025 geholt. Sein Bild Ghost Town Visitor (Besuch in der Geisterstadt) von einer braunen Hyäne, die durch die verlassenen Straßen der ehemaligen Diamantminenstad Kolmanskop in Namibia streift, zeigt, dass es sich lohnt, neue Wege zu gehen. „Macht euch keine Gedanken darüber, was Fotograf:innen früher gemacht haben, sondern konzentriert euch auf eure eigene Arbeit“, sagt er. „So kommt eure Kreativität richtig in Gang – ihr beobachtet das Tier und sein Verhalten genauer, weil ihr immer nach Möglichkeiten sucht, etwas Neues auszuprobieren.“

D500 + AF-S Fisheye 8-15mm f/3.5-4.5E ED, 11 mm, 1/200, f/13, Auto ISO, ©Shane Gross, Wildlife Photographer of the Year
Regel 2: Viel Mühe bedeutet nicht unbedingt Trophäe
Shane sagt, sein Bild für den Hauptpreis 2024 – ein hypnotisierender Wirbel aus Krötenkaulquappen unter Seerosenblättern im Cedar Lake in Kanada – war ein reines Vergnügen, während sein Gewinnerbild 2025 harte Arbeit war. Im Dezember 2022 war Shane mit seiner Z6 und dem NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S auf D'Arros Island fasziniert von den Tüpfelmuränen, die sich an Land ziehen, um in der Gezeitenzone zu jagen – ein Verhalten, das selten fotografiert wird. „Für das Aalbild habe ich wirklich alles gegeben, während das Kaulquappenbild einfach Spaß gemacht hat“ sagt er. „Das zeigt mir, dass die Jury nicht die Mühe bewertet, die man hineinsteckt. Wichtig ist, wie überzeugend das Bild ist. Ist das Bild auf den ersten Blick zwar beeindruckend, aber beim dritten Hinsehen schon langweilig? Oder entdeckt man jedes Mal neue Details? Das haben diese beiden Bilder gemeinsam.
Wenn man sich die Bewertungsrunden vorstellt, wird klar, dass Bilder mit Fehlern früh aussortiert werden. Denn die Jury muss die etwa 60.000 Bilder auf 100 reduzieren. Wenn euer Bild also einen offensichtlichen Fehler hat, reicht es nicht ein. Dann fragt euch, hat es irgendeine Wirkung? Hat es das gewisse Etwas, das es immer wieder sehenswert macht? Denn wenn nicht, kommt es nicht durch.“

Luca Lorenz richtete seinen künstlerischen Blick auf die Natur und dokumentiert einen Sperlingskauz, der mit seinem Frühstück zu seiner Nisthöhle zurückkehrt. Z8 mit NIKKOR Z 180-600mm f/5.6–6.3 VR, 600 mm, 1/125 s, f/6.3, ISO 2500, ©Luca Lorenz, Wildlife Photographer of the Year
Regel 3: Es muss etwas „Neues“ sein.
Aufstrebenden Talenten wird oft gesagt, sie sollen „über den Tellerrand hinausschauen“, aber was heißt das eigentlich? „Das kann eine neue Umgebung sein, eine für euch neue Tierart oder ein für euch neues Verhalten“, meint Shane. „Eure ersten Tierfotos werden wahrscheinlich genauso aussehen wie die von 10.000 anderen Leuten. Deshalb müsst ihr tiefer graben, um etwas Einzigartiges einzufangen.“ Er zeigt auf sein Gewinnerbild von 2025 und sagt: „Ich wusste, dass dieses Verhalten und diese Tierart noch nie bei dem Wettbewerb ausgezeichnet wurde. Die Jury sucht immer nach Originalität, sowohl beim Verhalten als auch bei den Tierarten. Also: Wenn ihr etwas Originelles habt, kann es sich lohnen, damit teilzunehmen.“
Wim stimmt dem zu. „Ich habe mich dieses Jahr mit einem der Juroren, Andy Parkinson, unterhalten. Er sagte, während der Bewertung hört man immer wieder: ‚Das hatten wir schon‘. Sie legen also großen Wert auf Originalität und suchen nach einer neuen, frischen Interpretation der Geschichten rund um das Tier. Erzählt es eine Geschichte über die Umwelt? Erzählt es eine Geschichte über die Situation des Tieres? Sie suchen immer nach einer besonderen Geschichte. Also, eine originelle Idee zu einem Motiv zu finden, das schon unendlich oft fotografiert wurde, ist wahrscheinlich das Wichtigste, um im Wettbewerb weit zu kommen.“

Ralph Pace fotografierte einen Schwarm von Kompassquallen, der zeigt, wie diese anpassungsfähigen Tiere mit der Erwärmung der Ozeane und dem Rückgang ihrer Fressfeinde immer zahlreicher werden. D850 mit NIKKOR AF-S 28-70mm f/3.5-4.5, 1/5 s, f/13, ISO 125, ©Ralph Pace, Wildlife Photographer of the Year
Regel 4: Versucht nicht, es allen Recht zu machen
Da die Jury jedes Jahr anders ist, sagt Wim, hat es keinen Sinn, die Juror:innen zu hinterfragen oder einem bestimmten Stil gerecht zu werden. „Jedes Jahr gibt es eine neue Jury. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als einfach ich selbst zu sein. Ich kann nur fotografieren und präsentieren, was mir gefällt. Hätte ich Bilder für die Jury ausgesucht, hätte ich mich nie für die Hyäne entschieden, weil Hyänen nicht als „ikonisch“ gelten. Sie sind nicht besonders beliebt und man denkt deshalb nicht, dass sie den ersten Platz verdienen. Aber ich liebe diesen Bild. Ich liebe die Geschichte, die das Bild erzählt – dass es noch wunderschöne Wildnis gibt und dass diese Tiere einen Platz zum Leben mit uns haben. Ich habe nicht versucht, die Jury zu beeindrucken. Ich möchte einfach die schönste Kunst machen, die ich mit meinen Mitteln hinbekommen kann.“

Qingrong Yang gelang es, den Augenblick einzufangen, als ein Frauenfisch seine Beute unter einem Reiher wegschnappt. Das Bild entstand am Yundang-See, einem ehemaligen Hafen, der nach seiner Wiederanbindung ans Meer zu neuem Leben erwacht ist. Z9 mit NIKKOR Z 400mm f/2.8 TC VR S, 1/2500 s, f/5, ISO 110, ©Qingrong Yang, Wildlife Photographer of the Year
Regel 5: Wenn es beim ersten Mal nicht klappt…
An eure eigenen Bilder zu glauben, heißt auch dranzubleiben, auch wenn die Jury sie nicht sofort anerkennt. „Man darf bis zu 25 Bilder pro Jahr einreichen. Ich reiche jedes Jahr die maximale Anzahl ein, denn man weiß nie, wie die Jury entscheiden wird“, sagt Shane. „Ich hatte letztes Jahr mein Aalbild eingereicht, aber es hat nichts gewonnen. Dieses Jahr hat es gewonnen. Das zeigt also, wie unterschiedlich Jurys die Dinge sehen und auch, mit welchen anderen Bildern eures verglichen wird. Denn es geht nicht nur um eure Bilder, sondern auch darum, was sonst noch in diesem Jahr im Wettbewerb ist.“
Nachdem er mehr als ein Jahrzehnt lang immer wieder nach Kolmanskop zurückgekehrt ist, um das Bild einzufangen, das er sich vorgestellt hatte, kann Wim auch ein bisschen über Durchhaltevermögen berichten. „Ich dachte, ich bin kein besonders guter Fotograf. Weil ich trotz all der Anstrengungen nur sehr wenig vorzuweisen hatte und dabei so viel Ausrüstung durch Wüstenstürme verloren hatte, die meine Kameras und Sensoren zerstörten. Alles, was schief gehen konnte, ist auch schiefgegangen.“ Da ich meine neue Ausrüstung nicht opfern wollte, habe ich das Gewinnerbild mit einer tief montierten Nikon D810 mit einem NIKKOR AF-S 17-35mm f/2.8 aufgenommen, die von zwei SB 800-Blitzen beleuchtet und von einem genau eingestellten Camtraptions-Sensor ausgelöst wurde. „Ich dachte immer nur: Du musst es weiter versuchen. Stellte mir das gelungene Bild vor. Stellte mir diese einmalige Gelegenheit vor, eine Hyäne vor einem dieser Gebäude zu fotografieren. Ich musste es weiter versuchen – und dann bekam ich endlich das Bild. Also dranbleiben, sich die Szene immer wieder vorstellen und niemals den Glauben verlieren.“
Von links nach rechts: Sebastian Frölich nahm die fragile Schönheit der seltenen Hochmoore im Platzertal mit dem winzigen Springschwanz ins Visier, der über die aufsteigenden Gasblasen durch die Algen huscht. Z7 mit NIKKOR Z MC 105mm f/2.8 VR S, 1/800 s, f/9, ISO 400, ©Sebastian Frölich. Jon A Juárez dokumentierte die erste erfolgreiche IVF-Embryotransplantation eines nördlichen Breitmaulnashorns in eine südliche Breitmaulnashorn-Leihmutter. Das ist ein wissenschaftlicher Durchbruch, der die Forscher dem Ziel, das Aussterben der Art zu verhindern, einen wichtigen Schritt näher bringt – auch wenn der Fötus wegen einer Infektion nicht überlebt hat. Z9 mit NIKKOR Z 24-120mm f/4 S, 24 mm, 1/400 s, f/7.1, ISO 1600, ©Jon-A.-Juárez. Vier Jahre lang hat Philipp Egger geduldig beobachtet und schließlich ein meisterhaftes Foto mit einem Teleobjektiv gemacht, das den orangefarbenen Schimmer in den Augen eines Uhus im sanften Abendlicht einfängt. Z9 mit NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 1/10 s, f/29, ISO 320, ©Philipp-Egger
Weitere Nikon Preisträger sind …
Wim und Shane sind in diesem Jahr nicht die einzigen Preisträger, die mit Nikon fotografieren. Beim Wettbewerb 2025 hat Philipp Egger mit einem Close-up der leuchtenden Augen eines Uhus im Abendlicht den ersten Platz in der Kategorie „Animal Portraits“ (Tierporträts) gewonnen. In der Kategorie „Behaviour: Birds“ (Verhalten: Vögel) hat Qingrong Yang einen Frauenfisch fotografiert, wie er eine Beute unter dem Schnabel eines Reihers schnappt. Die Kategorie „Plants and Fungi“ (Pflanzen und Pilze) führte Ralph Pace in der Kategorie „Unterwasser“ an. Sein Bild zeigt eine an Seetang verankerte Eikapsel eines Hais. Sebastian Frölichs Makroaufnahme eines Springschwanzes, der durch die neongrünen Blasen im Torfmoor schwimmt, gewann in der Kategorie „Wetlands: The Bigger Picture“ (Feuchtgebiete: Das Gesamtbild). Jon A Juárez hat den Fotojournalismus-Preis für seine Story über die bahnbrechende IVF-Arbeit zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns bekommen. Luca Lorenz erhielt den Nachwuchspreis „Rising Star Award“ für sein beeindruckendes Portfolio. „Worauf kommt es deiner Meinung nach an, um den WPOTY zu gewinnen? Das Wichtigste ist, Fotos zu machen, die man am schönsten und erfüllendsten findet“, sagt Luca, der eine Reihe von Bildern aus den letzten sieben Jahren eingereicht hat, die er mit der Z8 und der D850 aufgenommen hat. „Ich mache einfach, was ich am meisten liebe, und wähle Bilder aus, die ich besonders einmalig finde. Bilder, die ein besonderes Verhalten, eine neue Perspektive oder eine interessante Komposition zeigen, Emotionen wecken oder eine berührende Geschichte erzählen – kurzum, Bilder, die aus den über 60.000 Einreichungen herausstechen.“
Alle aktuellen Informationen zum Wettbewerb findet ihr auf der Website des Natural History Museum.
Eröffnungsbild: Wim van den Heever, der diesjährige Gesamtsieger, hat den gespenstischen Moment festgehalten, als sich eine Hyäne durch die Ruinen einer verlassenen Diamantminenstadt bewegt. D810 mit NIKKOR AF-S 17-35mm f/2.8D IF-ED, 17 mm, 15 s, f/2.8, ISO 3200, ©Wim van den Heever, Wildlife Photographer of the Year
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