So gelingen euch lebendige Lifestyle-Porträts von Menschen aus eurem Freundeskreis

Von der Content-Erstellung bis zu Familienerinnerungen – Mélanie Brice zeigt, wie Lifestyle-Aufnahmen gelingen, die verspielt und natürlich wirken und alles andere als gestellt sind …
Ich bin diese Freundin, die es in jeder Gruppe gibt – diejenige, die immer als Erste ein Foto macht, weil ich die gemeinsamen Momente nie vergessen möchte. Doch was als Reflex begann, entwickelte sich nach und nach zu einer Leidenschaft, dann schließlich zu einem Beruf. Heute begleitet mich meine Kamera auf all meinen Reisen rund um die Welt.
Der eigentliche Wendepunkt kam, als ich anfing, eine Freundin von mir zu fotografieren, die sich für den Miss-France-Wettbewerb angemeldet hatte. Es hat so viel Spaß gemacht, und ich habe gelernt, mit verschiedenen Lichtverhältnissen, Locations und Styling-Ideen zu experimentieren. Ohne es zu merken, wurde sie zu meiner Muse, und bei jedem Shooting versuchte ich, es besser zu machen als beim vorherigen. Heute habe ich für so viele großartige Menschen und Marken gearbeitet und sogar während der Olympischen Spiele 2024 in Paris am Place Saint-Sulpice sowie in der Nikon Plaza in Paris ausgestellt. Ich habe mit weiteren Miss-France-Kandidatinnen zusammengearbeitet und während der Fashion Week fotografiert – Erfahrungen, die mir geholfen haben, einen redaktionellen Stil zu entwickeln. Er stellt die Persönlichkeit in den Mittelpunkt, wirkt authentisch und spontan und lebt von echten zwischenmenschlichen Momenten. Ich liebe Bilder, die wie echte, gelebte Momente wirken, nicht wie inszenierte Aufnahmen.
Egal, ob ihr eure Bilder für Social Media stilistisch aufwerten, besondere Momente mit euren Liebsten festhalten oder in die Lifestyle-Fotografie einsteigen möchtet: Hier sind meine zehn Expertentipps für Fotos, die natürlich, fröhlich und voller Leben wirken.

Das steckt in der Kameratasche
© Mélanie Brice
Tipp 1: Vorbereitung und Spontaneität in Balance halten
Ganz gleich, ob ihr ungezwungene Schnappschüsse von Menschen aus eurem Freundeskreis macht oder ein Lifestyle-Projekt für eine Marke umsetzt – der erste Schritt ist immer, zuzuhören. Ich versuche zu verstehen, was die Person will und was sie ausdrücken möchte. Mein Ziel ist es, ihrer Vision so nah wie möglich zu bleiben und gleichzeitig meine eigene Sensibilität einzubringen.
Ich bitte sie oft, mir Referenzbilder zu schicken. Daraus erstelle ich dann ein Moodboard, um Drehorte, Farben, Outfits, Beleuchtung und Bildausschnitte festzulegen. Das gibt mir eine Orientierung, schränkt mich aber keineswegs ein, da ich am Set Raum für Improvisation lasse. Schönes Licht, eine spontane Interaktion oder ein Lachen können oft stärker wirken als alles, was geplant war. Daher ist es wichtig, sich an die Person, ihre Energie und die Umgebung an diesem Tag anzupassen.
Für mich ist ein Fotoshooting dann erfolgreich, wenn ich zwar mit einer bestimmten Vorstellung ankomme, diese sich aber weiterentwickeln darf. Das ist meist der Moment, in dem die eindrücklichsten Bilder entstehen.


Tipp 2: Wählt einen Ort, an dem sich alle entspannen können
Ein guter Ort ist vor allem einer, an dem sich die Menschen frei fühlen. Offene Räume wie Strände, Parks, Straßen oder Wälder eignen sich besonders gut: Sie ermöglichen Bewegung, Interaktion und natürliches Verhalten. Je größer und flexibler das Umfeld ist, desto leichter lassen sich solche natürlichen Momente schaffen.
Aber letztendlich geht es nicht wirklich um den Ort an sich – es geht darum, was die Menschen dort tun. Ich glaube, dass es immer die Menschen sind, die einem Ort Leben einhauchen. Ein Café wird erst dann interessant, wenn sich dort Menschen aus dem Freundeskreis treffen. Ein Strand wird bedeutungsvoller, wenn man Momente teilt. Nicht der Ort selbst prägt das Bild, sondern das Zusammenspiel darin.
Stellt die Menschen in den Mittelpunkt der Geschichte und nutzt die Umgebung, um Emotionen und Atmosphäre zu unterstreichen.
Ganz gleich, wo euer Fotoshooting stattfindet: Versucht, eine entspannte Atmosphäre ohne Druck zu schaffen, und haltet authentische Interaktionen, Emotionen und spontane Momente fest. © Mélanie Brice
Tipp 3: Aktivitäten statt Posen
Ganz gleich, ob ich mit Menschen aus meinem Freundeskreis oder mit professionellen Models arbeite – ich beginne immer damit, den Druck aus der Situation zu nehmen. Ich erkläre, dass es nicht darum geht, perfekt zu posieren, sondern einfach darum, einen entspannten Moment zu genießen, während ich nebenbei Fotos mache.
Von da an verlege ich den Schwerpunkt auf Aktivitäten statt auf Posen. Ich werde sie vielleicht bitten, am Strand spazieren zu gehen, zu reden, zu lachen, zu laufen oder sich einfach ganz natürlich zu verhalten. Oft ist es am besten, mich einfach zu ignorieren.
Entscheidend ist eine sichere, angenehme Atmosphäre, denn die Ausstrahlung der Person hinter der Kamera beeinflusst die Stimmung beim Shooting stark. Ich versuche stets, positiv, aufmunternd und unbeschwert zu bleiben, spontan auf Situationen zu reagieren, die Menschen zum Lachen zu bringen und kleine spielerische Momente zu schaffen. Manchmal bitte ich sie, eine Bewegung zu übertreiben oder eine Geste auf spielerische Weise zu wiederholen.
Sobald die Menschen ganz in den Moment eintauchen, vergessen sie die Kamera. Genau dann entstehen die authentischsten Bilder. Von diesem Zeitpunkt an beobachte ich mehr, als dass ich Anweisungen gebe, denn natürliche Bewegungen und unerwartete Gesichtsausdrücke führen oft zu den eindrucksvollsten Ergebnissen. Das Ziel ist es, dass sich das Shooting eher wie ein gemeinsamer Moment anfühlt als wie eine strukturierte Aufgabe.
© Mélanie Brice
Tipp 4: Verwendet Objektive, die eure Kreativität fördern
Wenn ich spontane Interaktionen einfangen möchte, macht es keinen Sinn, den Ablauf durch ständiges Wechseln der Objektive zu unterbrechen. Ich verwende das NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S sehr gerne mit meiner Nikon Z 6II, weil es äußerst vielseitig ist. So kann ich schnell von weitwinkligen Gruppenaufnahmen zu engeren Porträts wechseln, ohne den Moment zu unterbrechen. Verwendet Brennweiten zwischen 35 mm und 50 mm für Gruppenaufnahmen die auch die Umgebung zeigen, und etwa 70 mm für engere Porträts.
Außerdem verwende ich das NIKKOR Z MC 105mm f/2.8 VR S für intimere Details wie Lächeln, Gesichtsausdrücke und subtile Momente. Nutzt längere Brennweiten, um etwas Abstand zu gewinnen und natürliche Momente einzufangen, in denen die Menschen die Kamera vergessen. Außerdem werdet ihr feststellen: Wenn ihr die Brennweite nicht verändern könnt, lernt ihr, euch mehr zu bewegen – einen Schritt näher heranzugehen, einen Schritt zurückzutreten, den Blickwinkel zu ändern oder die Aufnahmehöhe anzupassen. So werdet ihr ganz automatisch kreativer.


Tipp 5: Den Fokus auf authentische Emotionen legen
In erster Linie sollte ein Bild Emotionen vermitteln. Ob Porträt oder Gruppenfoto – wenn ein Bild beim Betrachten Emotionen auslöst, ist es gelungen.
Bei einem Porträt achte ich auf Persönlichkeit, Ausdruck und Charakter, während ich mich bei einer Gruppenszene eher auf die Energie, die Verbundenheit und die Beziehungen zwischen den Menschen konzentriere. So oder so frage ich mich immer: „Wenn diese Person dieses Bild sehen würde, würde sie es dann teilen wollen?“ Wenn die Antwort „Ja“ lautet, bedeutet das in der Regel, dass das Bild authentisch widerspiegelt, wer diese Person ist.
Mein wichtigster Rat lautet: Wartet nicht auf den „perfekten Moment“. Nehmt eure Kamera immer mit, wenn ihr mit Menschen aus eurem Freundeskreis unterwegs seid, und übt so oft wie möglich. Je mehr ihr übt, desto besser entwickelt ihr euren Blick für den richtigen Moment. Das erste Shooting ist vielleicht nicht perfekt, aber das zehnte wird besser und das hundertste noch besser. Man könnte meinen, man bräuchte professionelle Models oder perfekte Drehorte, um schöne Bilder zu machen. Tatsächlich reichen ein paar Menschen aus eurem Freundeskreis, eine Stunde Zeit und ein einfacher Ort wie ein Park, ein Strand oder ein Café.
© Mélanie Brice
Tipp 6: Lasst euch auf unvollkommene Bildausschnitte ein
Wenn ihr das Motiv immer in die Mitte rückt, auf die perfekte Pose wartet oder alle dazu bringt, völlig still zu stehen, geht einer Szene jede Spontaneität verloren. Ein weiterer häufiger Fehler ist ein zu enger Bildausschnitt oder zu wenig Raum um das Motiv – beides kann das Bild beengt wirken lassen. Gestaltet stattdessen offene, natürliche Bildkompositionen, die der Szene Raum zum Atmen lassen. Lasst euch bei der Wahl des Bildausschnitts von der Umgebung und der Interaktion der Menschen leiten, statt starren Regeln zu folgen. Ich bevorzuge sogar leicht unvollkommene Bildausschnitte, weil sie realistischer und weniger konstruiert wirken.
Achtet außerdem auf die Umgebung und darauf, wie die Menschen mit ihr interagieren. Der Hintergrund sollte die Geschichte unterstützen, statt von ihr abzulenken. Sorgt außerdem für Abwechslung, indem ihr den Bildausschnitt immer wieder verändert. Verwendet Weitwinkelaufnahmen, um die gesamte Szene zu zeigen, und Nahaufnahmen, um Emotionen, Mimik und Details einzufangen. Dadurch entsteht ein visueller Rhythmus, der die ganze Geschichte dieses Augenblicks erzählt.


Tipp 7: Beginnt mit einigen bewährten Grundeinstellungen
Auch wenn die von mir verwendeten Einstellungen von der jeweiligen Szene abhängen, bleibt meine Vorgehensweise doch weitgehend gleich. Da ich häufig Menschen in Bewegung fotografiere, wähle ich selten eine längere Verschlusszeit als 1/250 s, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Das Fotografieren mit Offenblende zwischen f/2.8 und f/4 sorgt für eine schöne geringe Tiefenschärfe und bietet gleichzeitig ausreichend Spielraum, um bei Gruppenaufnahmen mehrere Personen scharf abzubilden. Ich verwende meistens den automatischen Weißabgleich. Wenn ihr im RAW-Format fotografiert, könnt ihr den Weißabgleich später in der Nachbearbeitung flexibel anpassen.
Genießt den Moment, denn am Ende gefallen den Menschen vor allem die Bilder, auf denen sie sich wirklich wiedererkennen. © Mélanie Brice

Tipp 8: Licht muss man nicht korrigieren – man muss es nutzen
Arbeitet mit dem Licht, nicht gegen es. Wenn ihr bei grellem Sonnenlicht fotografieren müsst, betrachtet es nicht als Einschränkung, sondern nutzt es kreativ. Schatten, Kontraste und markante Formen können für eine grafischere Bildwirkung sorgen. Schattige Bereiche unter Bäumen, an Mauern oder Gebäuden können dagegen helfen, das Licht weicher wirken zu lassen. Am liebsten arbeite ich mit weichem, diffusem Tageslicht. Haltet am frühen Morgen oder späten Nachmittag Ausschau nach solchen Lichtstimmungen. Kurz vor Sonnenuntergang ist das Licht wärmer und schmeichelhafter und schafft eine sanftere Atmosphäre ohne harte Schatten.
Nutzt in Innenräumen natürliche Lichtquellen wie Fenster oder offene Türen, da sie die Stimmung des Bildes entscheidend prägen können. Auch schwaches Licht kann eine sehr intime, emotionale Atmosphäre schaffen. In solchen Situationen vereinfache ich meine Vorgehensweise, indem ich die Blende öffne und bei Bedarf den ISO-Wert erhöhe. Die Verschlusszeit halte ich kurz genug, um Bewegungen einzufrieren. Ich versuche außerdem, mich eher in der Nähe von vorhandenen Lichtquellen aufzuhalten, anstatt gegen die Dunkelheit anzukämpfen.
Einer der häufigsten Fehler ist der Versuch, die Beleuchtung um jeden Preis vollkommen gleichmäßig zu gestalten. Frontales Licht kann Gesichter flach wirken lassen und ihnen Tiefe nehmen, während schlecht kontrolliertes Licht harte Schatten erzeugen kann. Wenn ihr euch einen Moment Zeit nehmt und beobachtet, wie das Licht auf euer Motiv fällt, kann das die Wirkung eines Bildes völlig verändern.


Tipp 9: Schärfe leicht gemacht
Wenn ihr eine Gruppe von Menschen aus eurem Freundeskreis fotografiert, geht alles sehr schnell: Gesichtsausdrücke ändern sich in Sekundenbruchteilen und oft dauern die besten Momente nur einen Augenblick.
Das Autofokussystem der Z 6II, insbesondere die Augenerkennung, ist in dieser Hinsicht unglaublich hilfreich. Ich setze auf AF-C mit Augenerkennung, da die Personen bei dieser Art von Fotosession selten stillstehen. Nutzt diese Funktion, damit ihr euch ganz auf die Bildkomposition und die Emotionen konzentrieren könnt, ohne euch ständig Gedanken über die Schärfe machen zu müssen.
Auch die integrierte Bildstabilisierung ist dabei sehr hilfreich, insbesondere wenn es gegen Ende des Tages dunkler wird. So gelingen euch auch bei wenig Licht (und nicht zu hoher ISO) scharfe Aufnahmen aus der Hand.
Wenn ihr Menschen aus eurem Freundeskreis fotografiert, vergesst nicht, auch selbst auf einigen Bildern zu erscheinen. Nutzt dafür den Selbstauslöser, eine Funkfernbedienung oder bittet eine andere Person um Hilfe. Nikon Z 6II + NIKKOR Z MC 105mm f/2.8 VR S, f/6.3, 1/250 s, ISO 50 © Mélanie Brice

Tipp 10: Optimieren, dann veröffentlichen
Unterhaltsame Lifestyle-Porträts wirken oft hell, farbenfroh und leicht kontrastreich, strahlen aber dennoch Natürlichkeit, Fröhlichkeit und einen Hauch von Nostalgie aus. Normalerweise vermeide ich eine übermäßige Farbsättigung. Ich setze jedoch gerne eine dezente Körnung und eine leichte Vignettierung ein, um Bildern einen zeitlosen, nostalgischen Charakter zu verleihen.
Bei der Bildbearbeitung gehe ich immer von den ursprünglichen Lichtverhältnissen und Farben aus. Ich passe lediglich Kontrast, Weißabgleich, Belichtung und Tonwert leicht an. Mein Ziel ist es nie, ein Bild zu verändern, sondern es subtil zu verbessern. Wenn die Bearbeitung zu auffällig wird, ist sie wahrscheinlich zu weit gegangen.
Wenn man Inhalte online teilt, ist es hilfreich, die Formate der sozialen Medien zu verstehen, doch diese sollten niemals das Bild bestimmen. Ein gutes Foto sollte in erster Linie für sich allein stehen. Bei Karussells schaffe ich gerne einen Rhythmus, indem ich Weitwinkelaufnahmen, Porträts, Details und spontane Momente miteinander kombiniere, wobei Bildunterschriften dazu beitragen, die Geschichte über die Bilder hinaus zu erweitern.
Also, worauf wartet ihr noch? Schnappt euch eure Kamera, verabredet euch mit ein paar Menschen aus eurem Freundeskreis und schafft Erinnerungen, die es wert sind, festgehalten zu werden!
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